[Rezension] Der namenlose Tag - Friedrich Ani

4 Kommentare | Deine Meinung





"Aber da sieht man mal wieder, was dieses Nichtreden über schwierige Dinge/Situationen bewirken kann: Depressivität, Passivität, Misstrauen und Griesgrämigkeit. Vor allem aber lässt das Schweigen sehr viel Raum für Fantasie und andere Hirngespinste offen."

[Leserstimme von Janine B. | Meine Welt der Bücher]








Autor: Friedrich Ani || Verlag: Suhrkamp
Hardcover: 301 Seiten || ISBN: 978-3-518-42487-2

Alle Infos zum Buch findet ihr hier: Suhrkamp.de


INHALT
Kriminalhauptkommissar Jakob Franck ist seit zwei Monaten im Ruhestand und glaubt nun, ein Leben jenseits der Toten beginnen zu können. Vor zwanzig Jahren hatte er sieben Stunden, ohne ein Wort zu sagen, der Mutter einer toten Siebzehnjährigen beigestanden.
Jetzt wird der Kommissar von dieser Konstellation eingeholt: Ludwig Winther tritt mit ihm in Kontakt; er ist der Vater des jungen Mädchens und Ehemann jener Frau, der Franck so viel Aufmerksamkeit widmete.
Zwanzig Jahre sind vergangen, und der Vater glaubt noch immer nicht an den – laut polizeilichem Untersuchungsergebnis eindeutig feststehenden – Selbstmord der Tochter durch Erhängen: Seiner Meinung nach kann es sich nur um Mord handeln.
Ex-Kommissar Jakob Franck macht sich also daran, die näheren Umstände ihres Todes aufzuklären, »einen toten Fall zum Leben zu erwecken«. Jakob Franck folgt dabei seiner ureigenen Methode, der »Gedankenfühligkeit«:.Diese ist unnachahmlich und unübertroffen bei der Lösung der kompliziertesten und überraschendsten Fälle.
[Quelle: suhrkamp.de]

MEINE MEINUNG
Einstieg
Selten ist es mir so schwer gefallen in eine Geschichte hineinzufinden, wie bei diesem Werk. Der außergewöhnliche Schreibstil, die ersten, etwas verwirrenden, Kapitel, alles war neu und gewöhnungsbedürftig für mich. Kurz neigte ich schon dazu, dass Buch abzubrechen, ich wurde einfach nicht mit der Handlung warm. Gott sei Dank habe ich es mir anders überlegt und siehe da, das Buch wurde für mich noch zum Page-Turner.


Verlauf
Nach meinem oben beschriebenen holprigen Einstieg, konnte mich die Geschichte dann doch noch packen: Ein Vater, der nicht an den Selbstmord seiner Tochter glaubt, ein ebenso seltsamer Abschiedsbrief seiner Ehefrau und zwischen all dem der sonderbare pensionierte Ermittler Jakob Franck, der noch mit den Geistern seiner Vergangenheit hadert.  Für mich stand nicht die Suche nach der Wahrheit im Mittelpunkt- es war soviel mehr. Die Verlorenheit eines gebrochenen Mannes, das erdrückende Schweigen, welches immer noch über der Stadt liegt, die verzweifelte Suche nach Antworten. Was mich zum Schreibstil bringt.


Schreibstil
Es ist eben nicht nur die Wortwahl und der Satzbau, die das Buch zu etwas besonderem machen. Es ist viel mehr die gesamte Art und Weiße wie Ani die Geschichte erzählt. Der Ablauf der Ermittlungen, die unzuordbaren  Kapitel, die Nebenhandlungen, die dem Buch etwas einmaliges anhaften. Es ist wirklich ein außergewöhnlicher Schreibstil, der mir so noch nie bei einem Krimi untergekommen ist, von dem ich aber durchaus gerne mehr hätte.


Jakob Franck
Ja, was soll ich zu diesem Protagonisten viel sagen? Ich mag Ermittler, die eigen sind, die besonders sind und nicht so 0815. Ob Hercule Poirot oder der Brenner- ja, ich kann Franck im selben Atemzug nennen, denn auch er begeisterte mich mit seiner sonderbaren, melancholischen und dennoch sensiblen Art. 


ALLES IN ALLEM...
...konnte mich mein erstes Buch von Friedrich Ani trotz Startschwierigkeiten überzeugen. Die besondere Art des Schreibens, eine interessante Handlung und der sensible Ermittler sorgten Lesevergnügen. Eine Empfehlung für all jene, die auf der Suche nach einem etwas anderen Krimi sind.

2-

Kommentare:

  1. Hallo Lole,

    du hast das Buch einfach wunderbar rezensiert, weißt du das? Ich glaube, du hast wirklich erkannt, was Ani mit seinen Charakteren ausdrücken wollte.
    Deine Kritik wird der Geschichte in meinen Augen auf alle Fälle gerecht.
    Ich habe ja nun schon einige Bücher von Friedrich Ani gelesen. (Für dich war es das erste, oder?) Und kann dir deswegen sagen, dass die Buchcharaktere, die der Autor immer wieder erschafft, einfach jedes Mal etwas Besonderes, Außergewöhnliches sind. Ganz klasse finde ich persönlich ja den Vermisstenfahnder Tabor Süden, den ich dir wirklich empfehlen kann, wenn du gerne mehr von diesen ganz eigenen/einzigartigen Ermittlern lesen möchtest. Den Einzelband "Die unterirdische Sonne" und die 7 ersten Bände der Tabor Süden - Reihe habe ich bereits vor "Der namenlose Tag" gelesen. Und mit jedem neuen Buch des Autors bin ich ein bisschen mehr begeistert von seinem Talent als Schreiberling ... ;-)

    Alles Liebe ♥ und einen schönen Restsonntag wünsche ich dir!
    Janine

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    1. Liebe Janine,
      Danke für ein nettes Lob, dass freut mich wirklich sehr!

      Ja, es war mein erstes Buch von Ani (und einige waren davon enttäuscht?!) aber bestimmt nicht mein letztes. Danke für deine Tipps und Infos - dann werde ich mich mal an den Protagonisten Tabor Süden machen, ich vertrau dir da ganz!

      Liebste Grüße Nicole und nun wünsch ich dir noch einen schönen Sonntag!

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  2. Huhu,

    Ja, Ani muss man mögen ... Ich hatte letztes Jahr "Die unterirdische Sonne" gelesen und das war schon ziemlich heftig.

    Liebe Grüße,
    Sonja
    (www.abfos.de)

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    1. Hallo Sonja,

      Ja, die Meinungen sind anscheinend sehr durchwachsen. Ich werd mich mal an ein weiteres Werk wagen :D

      Liebst, Nicole

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Nicole ♥