[Rezension] Selbstporträt mit Flusspferd - Arno Geiger

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INHALT

Wie fühlt es sich an, heute jung zu sein? Arno Geiger erzählt von Julian, einem Studenten der Veterinärmedizin, der seine erste Trennung erlebt und erstaunt ist, wie viel Unordnung so eine Trennung schafft. Um die Unordnung ein wenig zu lindern, übernimmt er bei Professor Beham die Pflege eines Zwergflusspferds, das bald den Rhythmus des Sommers bestimmt: es isst, gähnt, taucht und stinkt. Julian verliebt sich in Aiko, die Tochter des Professors, verfolgt beunruhigt, wie täglich Schockwellen von Katastrophen um den Erdball fluten und durchlebt eine Zeit des Umbruchs und Neuanfangs. Ein Roman über die Suche nach einem Platz in der Welt.

MEINE MEINUNG 

Die Krise des Ichs                                                                                                                 
Ein beliebtes Motiv der Wiener Moderne welches man in diesen Buch wiederfindet - die Krise und die Unsicherheiten des Ichs. Der Protagonist Julian, gerade mal 22 Jahre alt, frisch getrennt von seiner ersten großen Liebe, steht vor den Problemen des Erwachsenwerdens. Möchte er um die Welt reisen? Oder doch lieber 6 Kinder und eine Frau? Möchte er einfach nichts tun oder alles auf einmal? Wo ist sein Platz in der Welt? Das gesamte Buch über versucht er herauszufinden, was er mit seinem Leben anfangen will. Einerseits die neu gewonnene Freiheit genießen andererseits hängt er dem alten, ihm bekannten Leben hinterher. Arno Geiger beschreibt das Älterwerden sehr gelungen und nachvollziehbar. Nicht nur einmal schüttelt man den Kopf und findet sich selbst in Julian wieder.

Medien                                                                                                                               
Sehr interessant ist auch der Aspekt, wie sehr Julian mit den aktuellen Tagesnachrichten hadert. Jeden Tag schlechte, beängstigende Neuigkeiten, die sein Leben nicht direkt aber seine Gedanken- und Gefühlswelt sehr wohl beeinflussen. Kriege, Anschläge, Morde - immer wieder wird es ihm vor die Augen gehalten und man spürt sehr deutlich seine innerliche Unruhe und seine Unschlüssigkeit, wie er damit umgehen soll. Selbst schon etwas verloren in seinem Leben, wird er auch hier mit all den pessimistischen, negativen Schattenseiten des Lebens konfrontiert.

Die Langatmigkeit des Schreibstils                                                                                    
Das Buch ist besonders- und so besonders ist auch sein Schreibstil. Spannung darf man hier keine erwarten - es geht um eine alte Liebe, um eine neue Liebe, um Freundschaft, um das Sichselbstfinden und um ein Flusspferd. Ja, es geht um das ganz normale Leben. Und so normal ist auch der Schreibstil und gerade das macht ihn dann doch wieder besonders. Zwischendurch hadert man dann aber doch etwas mit der Langatmigkeit. Verläuft die Handlung doch über einen längeren Zeitraum, passiert aber im Großen und Ganzen nicht viel. Aber auch hier könnte man wieder einwerfen - wie im normalen Leben halt. Dennoch sind so einige Schmankerl eingebaut, die den Leser dann dennoch des öfteren lachen lassen.

Das Flusspferd                                                                                                                   
Gerne erwähne ich hier das Flusspferd - und was soll ich sagen? Zwar hat es keine großen Auftritte und ist eher immer nebensächlich, dennoch schließt man es in sein Herz und hofft, mehr über das Tier zu erfahren. Ja es frisst, ja es gähnt oft und ja, es geht gerne baden. Julians bemühen um das Tier ist schön anzusehen und nicht nur einmal vergleicht er sich selbst und sein Leben mit dem Flusspferd. Ein wenig schade fand ich es, dass das Flusspferd keine wesentlichere Rolle gespielt hat - ich hatte mich auf "Gespräche" mit dem Flusspferd gefreut.

ALLES IN ALLEM...
....ein Buch über das Erwachsenwerden und all die Probleme, die es mit sich bringt. Ein sympatischer Protagonist, ein sympathisches, etwas zu kurz kommendes, Flusspferd und eine sympathische Handlung - & dennoch fehlt der für mich der letzte Pfiff. 
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Nicole ♥